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veröffentlicht am 01.11.2021

Bewegung hält gesund

Initiative Gesundheit & Sport

Bewegung hält gesund

Bewegung hält gesund

Interview mit Dr. Alexandra Böhmert, Schirmherrin des Netzwerks Gesundheit &Sport im Werra Meißner-Kreis

 

Im Sportkreis Werra-Meißner gibt es mit der Initiative  „Gesundheit &Sport“ ein gemeinsames Projekt von Sportkreis, Turngau und dem Physiotherapeuten- und Lehrer an der Physiotherapieschule in Hessisch Lichtenau, Christian Burkert. Schirmherrin der Initiative ist Dr. Alexandra Böhmert, Oberärztin der Wirbelsäulenorthopädie Orthopädische Klinik Hessisch Lichtenau. Sport in Hessen hat mit der Ärztin über die Beweggründe gesprochen, den Gesundheitssport zu unterstützen.

 

Frau Dr. Böhmert, Sie haben für dieInitiative Gesundheit & Sport“ im Sportkreis Werra-Meißner die Schirmherrschaft übernommen. Warum ist diese Initiative für Sie von so großer Bedeutung?

Beruflich habe ich als Ärztin natürlich mit vielen Patienten/innen Kontakt und sehe vermehrt, dass die Bevölkerung träge wird und weniger Sport treibt. Viele Patienten, die wegen Beschwerden des Bewegungsapparates zu uns Orthopäden kommen, möchten am liebsten Verordnungen für Massageanwendungen oder manuelle Therapien, hierbei handelt es sich um passive Anwendungen. Bei vielen Erkrankungen ist allerdings eine aktivierende Bewegungstherapie sinnvoller. Dieses Phänomen findet man sowohl bei den jungen Patienten wie auch bei den älteren Patienten. Deshalb ist es für mich immens wichtig, die Initiative tatkräftig zu unterstützen.

Wie oft sollte man sich pro Woche bewegen und mit welcher Intensität?

Ich persönlich orientiere mich da gerne an der Empfehlung der „Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung“.  Hiernach sollte man sich 150min pro Woche mit mittlerer Intensität oder 75min mit höherer Intensität sportlich bewegen.  Zusätzlich sind noch zwei Mal pro Woche muskelkräftigende Übungen, also leichtes Krafttraining mit Therabändern oder eigenem Körpergewicht, unverzichtbar. 

Welche Sport- oder Bewegungsarten bieten sich für ältere Einsteiger/innen Ihrer Meinung nach besonders an?

Prinzipiell sollte man Sportarten wählen, die zum einen die Ausdauer fördern und zum anderen die Koordination und die Kraft stärken. Wurde über längere Zeit kein Sport betrieben, sollte man natürlich vorher beim Hausarzt die Belastbarkeit von Herz und Lunge untersuchen lassen. Für Einsteiger bieten sich Sportarten wie Nordic-Walking, Schwimmen und Aquagymnastik, aber auch die Gymnastik für Senioren in Sportvereinen an.

Von welchen Bewegungen raten Sie dringend ab?

Eigentlich freue ich mich, wenn die Bevölkerung bzw. meine Patienten überhaupt Sport treiben und sich bewegen. Dementsprechend würde ich jetzt auch nicht unbedingt etwas verbieten wollen. Natürlich kann man sagen, dass abrupte Bewegung vielleicht mit zunehmendem Alter eher vermieden werden sollten, wie sie beispielsweise beim Fußball oder beim Tennis entstehen können. Aber auch hier gibt es sicher Spielvarianten für schonendere Bewegungsabläufe und jemand der seit mehreren Jahren Tennis spielt und sich damit gut fühlt, kann dies auch weiterhin machen.

Wir befinden uns im Herbst, wie wichtig ist Bewegung gerade jetzt für das Immunsystem?

Also Sport ist sehr, sehr wichtig für das Immunsystem. Es haben zahlreiche Studien gezeigt, dass durch Ausdauersport die Anzahl von aktiven B- und T-Zellen – das sind sozusagen die Abwehrzellen – im Blut ansteigen. Da diese unmittelbar zur Immunabwehr gehören, beugen sie Infekten und chronischen Entzündungen vor.

Es heißt ja immer, Bewegung und Sport beuge Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor. Können Sie die genaue Bedeutung und Auswirkung von Bewegung für das HKS näher erklären?

Bei körperlicher Belastung, beispielsweise beim Gehen oder beim Walken, schlägt das Herz schneller und pumpt somit mehr Blut in die Peripherie, also in den Körper, was wiederum zu einer besseren Sauerstoffversorgung führt. Durch regelmäßigen Sport, so haben Studien gezeigt, verstärkt sich das Herzkreislaufsystem indem sich u.a. der Herzmuskel vergrößert. Mit der damit einhergehenden, besseren Pumpleistung wird gewährleistet, dass mehr Blut pro Pumpschlag und somit auch mehr Sauerstoff in den Körper transportiert werden kann. Das wiederum macht das ganze System dann physiologischer, indem die Herzfrequenz gesenkt und ein deutlich niedrigerer Ruhepuls erreicht wird. Das Herz arbeitet bei regelmäßiger Bewegung also ergonomischer. Gleichzeitig sinkt der Blutdruck, was positive Auswirkungen auf Erkrankungen hat, die durch Bluthochdruck entstehen können. Somit kann das Risiko von Schlaganfällen und Herzinfarkten durch regelmäßige Bewegung beträchtlich reduziert werden.

Was passiert bei regelmäßiger Bewegung zusätzlich auf physischer Ebene mit dem Körper?

Es gibt viele weitere positive Effekte auf den Körper. So verstärkt Sport auch die Knochenstruktur, das heißt die Knochendichte verbessert sich. Insbesondere für ältere Patienten mit Osteoporose ist dies von großer Bedeutung, da sie eine erhöhte Frakturneigung durch die verminderte Knochendichte aufweisen. Der Knochen braucht regelmäßige Biege- und Stoßbelastungen, damit er sich verdichtet, was unter anderem durch Muskelzug und Bewegung erreicht wird.

Des Weiteren ist die vermehrte Bildung von roten Blutkörperchen und der dadurch verbesserte Sauerstofftransport für mich als wichtiger Faktor nicht zu vernachlässigen. Das steht auch in unmittelbarem Zusammenhang mit der verbesserten Sauerstoffaufnahme und Lungenkapazität, die durch Sport gesteigert wird. Natürlich hat der Sporttreibende auch einen erhöhten Energiebedarf, was gekoppelt an eine maßvolle und ausgewogene Ernährung zu einer Reduzierung des Fettgewebes führt und damit Risikofaktoren für Diabetes, Schlaganfall usw. reduzieren kann.

Sport ist offensichtlich gut für den Körper, wirkt er sich auch auf den Geist aus?

Mehrere Studien haben gezeigt, dass ältere Patienten durch sportliche Aktivitäten (beispielsweise Tanzen) signifikant gesteigerte Gedächtnisleistungen aufweisen. Das liegt in der verbesserten Vernetzung der Nervenstrukturen des Gehirns begründet, die sich aufgrund der regelmäßigen motorischen und sensorischen Beanspruchung ausbilden. Damit wird nicht nur die Koordination positiv beeinflusst, es vermag auch das Demenzrisiko zu senken. 
Die Fragen stellte Marco Mattes.
Das Interview wurde von der "Sport in Hessen" in der Ausgabe vom 09.10.2021 veröffentlicht.

 
 
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