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veröffentlicht am 10.12.2020

Auch die Landschaft wird zum Sportraum

Auch die Landschaft wird zum Sportraum
Auch die Landschaft wird zum Sportraum
Bad Sooden-Allendorf - Sportsättenplanung im ländlichen Raum unterscheidet sich nicht so grundsätzlich von der im Ballungsraum? „Diesen Eindruck kann man vielleicht auf den ersten Blick bekommen. Denn auch auf dem Land spielen Klimaschutz, Digitalisierung und ein verändertes Sportverständnis der Menschen eine große Rolle“, sagt Gerd Seidlitz. Der stellvertretende Vorsitzende des Sportkreis Werra-Meißner erkennt trotzdem grundlegenden Unterschied: „Im ländlichen Raum haben viele Kommunen mit sinkenden Bevölkerungszahlen und Überalteeung zu kämpfen, während im Ballungsraum ein stetiger Zuzug vor allem junger Menschen zu verzeichnen ist.“
 
Ballungsraum bedeutet in der Praxis nicht nur die Bereiche rund um Hessens Großstädte, sondern selbst in den Landkreisen gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Das ist eines der Ergebnisse einer Unte suchung dreier hessischer Landkreise, die Dr. Julia Tunn vom Institut für Kooperative Planung und Sport- entwicklung vorstellte. Bestätigt wurde dies auch von Jens Prüller, Geschäftsbereichsleiter Sportinfrastruktur des Landessportbundes Hessen: „Es gibt nicht den typischen ländlichen Raum, Wachstum und Schwund liegen oft dicht beieinander.“ Hinzu kommt, dass sich das Sportverständnis und vor allem die Sportpraxis der Menschen auch im ländlichen Raum gewandelt hat. Fast die Hälfte aller Sporttreibenden im Landkreis Waldeck-Frankenberg geht beispielsweise ihrer Leidenschaft unorganisiert und in der Landschaft nach, erläuterte Matthias Schäfer vom Fachdienst Sport- und Jugendarbeit des Landkreises. „Feld, Wald und Wiese, davon haben wir reichlich, da geht es uns besser als den Städten.“
 
Schäfer betonte, dass für eine sinnvolle Planung die Bedürfnisse aller Sporttreibenden berücksichtigt wer- den müssten. Das dürfe aber nicht heißen, klassische Sportanlagen künftig nur zu zentralisieren. „Hallen und Sportplätze müssen in der Fläche da sein“, sagte er, am besten seien natürlich Lösungen, die sowohl die Bedürfnisse des Wettkampf-, als auch die des Freizeitsports kombinieren. Und diese sind vielfältig. „Die Menschen werden älter, gleichzeitig sind sie hoch aktiv“, sagte Jens Prüller und nannte den Gesundheits- und Präventionssport als Wachstumsfelder im Sport. Dies seien Angebote, die auch im ländlichen Raum künftig vermehrt nachgefragt würden. Allerdings ändern sich durch diesen Trend auch die Voraussetzungen für die Sportstätten. „Für Fitnesskurse und Gesundheitssport braucht man keine Dreifeldhalle“, machte er deutlich. Er betonte, dass diese Entwicklung Chancen für Vereine im ländlichen Raum eröffnet. Viele Vereine hätten dies auch erkannt und würden ihre Fitness- und Gesundheitssportkurse in Dorfgemeinschaftshäusern, Bürgerhäusern oder auch Gaststätten anbieten.
 
Bei den klassischen Sportstätten, vor allem den Fuß- ballplätzen, sehen sich Vereine und Gemeinden mit an- deren Herausforderungen konfrontiert. „Die Quantität ist groß, die Qualität sehr unterschiedlich“, beschrieb Matthias Schäfer die Situation im Landkreis Waldeck- Frankenberg. Vor allem in den Monaten November bis März gebe es Probleme wegen fehlender Flutlichtanlagen oder unbenutzbarer Plätze. Deshalb sehen viele Kommunen Kunstrasenplätze als Alternative. Angesichts der Kosten planen sie jedoch immer mehr gemeinschaftlich genutzte Kunstrasenanlagen. Gleichzeitig sei man aber dem Druck, auch dem vieler Eltern, ausgesetzt, optimale Sportbedingungen zu bieten, sagte Kattenberg. Entkommen könnten Vereine diesem Dilemma nur, wenn sie kooperieren und gleichzeitig Angebote an ihre Mitglieder machen, die diese sowohl sportlich als auch mit Blick auf das Gemeinschaftsgefühl attraktiv finden.
 
Ein ausführliches Video zu diesem Thema sehen Sie hier: https://www.youtube.com/watch?v=dPkbgaRAjrY
 
Text: Landessportbund Hessen/ Marvin Heinz.
Foto: Marvin Heinz.
 
 
 
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