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veröffentlicht am 28.02.2013

Schule und Verein

Kooperationen zwischen Sportvereinen und Schulen

 

Information zur Zusammenarbeit zwischen
Sportvereinen und Schulen mit Ganztagsangeboten in Hessen

Ganztagsschule oder ganztägig arbeitende Schule ist das zentrale Thema in der Bildungspolitik. Die verstärkte Einführung wird auch das Verhältnis zum organisierten Sport verändern. Viele Schulen erwarten und setzen auf Kooperationen mit Sportvereinen. Sportvereine sehen dagegen die Chancen wie die Risiken. Denn nach den Erfahrungen der ersten Jahre gelingt Ganztagsschule genau dort, wo außerschulische Partner gut in eine Kooperationsstruktur eingebunden sind. (siehe Rahmenvereinbarung)

So oder so, es gibt nicht die klassische Kooperationsform zwischen Schulen und Vereinen. Das hängt zunächst von dem Verfahren in den einzelnen Bundesländern ab. Und dann vor allem von den Rahmenbedingungen vor Ort – der Schulgröße, dem Stadt-Land-Verhältnis, dem Elterneinfluss, dem Engagement und der Kompetenz der Verantwortlichen in Schule und Sportverein und vielem mehr. Deshalb gibt es nicht die eine Antwort auf die vielen Fragen, von denen sich einige sowieso erst in der Praxis endgültig beantworten werden lassen. Und auch Best-Practice-Beispiele helfen nur bedingt weiter. Wir empfehlen aus unseren Erfahrungen eher die Berücksichtung so genannter Gelingensbedingungen.

So dienen die nachfolgenden Tipps der Orientierung und können keine detaillierten Rezepte sein. Diese leben durch das Sammeln der Erfahrungen aus der Praxis. Dadurch werden diese Tipps immer wieder erweitert und aktualisiert. Wir freuen uns über jede konstruktive Rückmeldung.

.Ganztagsschule wird sich bundesweit und damit auch in Hessen auf die Arbeit des organisierten Sports in den nächsten Jahren auswirken. Die Meinungen über Sinn und Zweck von Ganztagsbetreuung sind sehr unterschiedlich, Umfragen belegen generell eine hohe Zustimmung der Bundesbürger. Kritiker bemängeln die vielen „Mogelpackungen", da viele Chancen für eine wirkliche Umgestaltung schulisches Lernen und schulische Betreuung ungenutzt bleiben.

Wie auch immer, der Zug in Hessen ist ins Rollen gekommen und ist nicht mehr zu stoppen. Folglich geht es weniger um das Ja oder Nein oder um die persönliche Position. Vielmehr sind die Sportvereine gefordert vor Ort Einfluss zu nehmen. Eine Mitgestaltung wird gefordert. Hier wird die Sportjugend Hessen die Sportvereine neben der direkten Beratung mit nachstehenden Informationen unterstützen. Sie stellen einen aktuellen Stand dar und werden jeweils an die aktuellen Entwicklungen angepasst.

Der organisierte Sport stellt sich den Herausforderungen
Grundlagen

Der organisierte Sport hatte schon frühzeitig mit einer Positionsbestimmung auf die neuen Entwicklungen reagiert. So gibt es seit April 2005 eine Rahmenvereinbarung zwischen dem Hessischen Kultus- und Innenministerium sowie dem Landessportbund Hessen und die Sportjugend Hessen, in der wesentliche gemeinsame Absprachen vorgenommen sind. Damit wird die zentrale Bedeutung von Turn- und Sportvereinen als Anbieter von Bewegung, Spiel und Sport im Konzept von Schulen mit ganztägigen Angeboten festgeschrieben (siehe download).

Verlässliche Strukturen

In den einzelnen Kommunen sind durch die Sportkreise und deren Jugendgremien Informations-, Beratungs- und Koordinierungsstrukturen geschaffen worden, die dabei unterstützen, im Zusammenwirken von örtlichen Schulträgern, Schulen und Sportvereinen im sozialen Nahraum der Schule, ein tägliches Sportangebot abgestimmt und verlässlich durchzuführen.

Die Fachverbände informieren ihre Mitgliedsvereine, um sich am Aufbau von Betreuungsangeboten auf der kommunalen Ebene zu beteiligen.

Die Sportjugend Hessen unterstützt und koordiniert auf Landesebene die Maßnahmen sowie modellhafte Aktivitäten.

So besteht seit 2004 der Kreis der Ganztagsschulbeauftragten der Sportkreise und Verbände. Durch jährliche Treffen und Informationsaustausch Infos wird dadurch die regionale Anbindung vertieft.

In etlichen Sportkreisen bzw. Schulamtsbezirken fanden Erhebungen zur Zusammenarbeit von Schulen und Sportvereinen statt. Diese sind zumeist auf den Internetauftritten der Sportkreise zu finden (z. B. Sportkreis Marburg).

Klare Zuständigkeiten

Sowohl den örtlichen Schulträgern, als auch anderen möglichen Kooperationspartnern bei der Realisierung der Schulen mit ganztägigen Angeboten, muss dabei klar vermittelt werden, dass auf jeden Fall die örtlichen Sportorganisationen die zuständigen Partner der Schulen mit ganztägig orientierten Angeboten für den Bereich Bewegung, Spiel und Sport sind.

Selbstverständnis des Sports

Unter besonderer Berücksichtigung des Verständnisses des Sports und seiner Jugendarbeit als selbstorganisierte, selbstverantwortete und freiwillige Freizeitgestaltung sollen Kinder umfassende soziale Erfahrungen sammeln, die maßgeblich zu deren Identitätsentwicklung und Persönlichkeitsentfaltung beitragen. Diese Qualitäten sollen auch bei der Umsetzung von Schule mit ganztägigen Angeboten zum Tragen kommen.

Aufruf an die Sportorganisationen

Der Landessportbund Hessen und die Sportjugend Hessen rufen die hessischen Sportorganisationen dazu auf, sich im Sinne einer zukunftsorientierten Sportentwicklung umgehend gemeinsam diesen Herausforderungen zu stellen. Es gilt nun, unter Abwägung der Risiken und Chancen in diesem Bereich, sich möglichst frühzeitig in den neuen Strukturen zu verankern, und zwar überall dort, wo mit der Schule mit ganztägigen Angeboten begonnen wird. Die Beteiligung der Sportorganisationen kann sehr unterschiedlich sein: von einem täglichen (Bewegungs-, Spiel- und Sport-) Angebot („nur" als Sportanbieter) bis zum kompletten Angebot inkl. Mittagsimbiss und Hausaufgabenbetreuung (als alleiniger Träger) sind viele Variationen denk- und durchführbar. Der Landessportbund, die Sportjugend, der Turnverband und die Turnjugend arbeiten nach wie vor intensiv an der Entwicklung von Hilfen und Unterstützungsmaßnahmen für die örtliche Arbeit.

Ganztagsschule und Sport

Ganztagsangebote an Schulen werden das Leben des organisierten Sports verändern. Zwar gibt es schon eine lange Tradition von Kooperationen zwischen Schulen und Sportvereinen, doch ist die angestrebte Zusammenarbeit tiefgreifender. Der Sport steht bei vielen zukünftigen Schulen mit Ganztagsangeboten auf der Wunschliste prinzipiell ganz oben. Großvereine scheinen für diese neue Herausforderungen besser präpariert, für die kleineren Vereine, vor allem im ländlichen Raum, wird es deutlich schwerer werden. Poolbildung – orts- und schulübergreifende Zusammenarbeit- heißt hier ein Lösungswort. Die Einführung von Ganztagsangeboten an hessischen Schulen verlangt allerdings mehr als nur organisatorische Kraftanstrengungen für die Vereinslandschaft. Denn der Sportbegriff in der Ganztagsschule ist weniger auf Leistung und Lernen, sondern stärker auf Freiwilligkeit und Freizeitgestaltung ausgerichtet. Viele Sportvereine haben in den letzten Jahren dazu gelernt und sich dem Breiten- und Freizeitsport geöffnet. Eigentlich gute Voraussetzungen für die neue Zeit, um womöglich nicht nur ein tägliches (Bewegungs-, Spiel und Sport-) Angebot als „Sportanbieter" bereitzuhalten sondern den Komplettservice inklusive Mittagsimbiss und Hausaufgabenbetreuung anzubieten.

Was bringt’s den Sportvereinen?

Trotz der Befürchtungen vieler Vereine bietet die Kooperation mit ganztägig arbeitenden Schulen eine Vielzahl an Chancen und Vorteilen, von denen im folgendem einige aufgelistet sind:

 Kontakte zu einem größeren Spektrum von Schüler/innen mit der Chance der Gewinnung neuer Mitglieder und Gewinnung von Talenten

 Sicherung von schulischen Hallenkapazitäten durch gegenseitige Kooperationen

 Sportarten können sich präsentieren, ob neue oder traditionelle in modernem Gewand

 Wenn in der Schule mehr Bewegungskompetenzen vermittelt werden, dann sind auch mehr Schüler/innen an Sport und den Sportvereinen interessiert

 Anerkennung in der Öffentlichkeit durch soziales Engagement und die Bereitstellung eigener Ressourcen

 Evtl. Refinanzierungsmöglichkeit von Hauptberuflichen, die dann auch vereinsintern Angebote und Organisation übernehmen können

 
 
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