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veröffentlicht am 15.02.2021

Win-Win-Situation für Sportler und Vereine

Sportcoaches im Werra-Meißner-Kreis

Win-Win-Situation für Sportler und Vereine
Eschwege/Sontra.  Sport-Coaches sind sportbegeisterte Personen, die in Sportvereinen tätig sind und sich im Rahmen der Freiwilligenarbeit für Flüchtlinge engagieren. „Sie sind ein wichtiges Bindeglied und kennen in der Regel viele örtliche Akteure. So können sie unkompliziert Kontakte zwischen den Flüchtlingen, der Asylbetreuung und den Sportvereinen vor Ort herstellen und die Geflüchteten - vor allem in der ersten Zeit - zu den Sportangeboten begleiten“, erklärte Edmund Pliefke, der Koordinator für Sport und Flüchtlinge des Sportkreis Werra-Meißner. 
 
Aus dem Programm „Sport und Flüchtlinge“ wurden den Städten Sontra, Eschwege, Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf und Hessisch Lichtenau in 2020 insgesamt 55.200 Euro zur Verfügung gestellt. Ingrid Noll, Juan Naranjo Marcela Catalan Naranjo (Bad-Sooden Allendorf), Elisabeth Bennighof, Stefan Gerhard, Ramiz Arifi (Eschwege), Helmut Renner (Hessisch Lichtenau), Gerhard Mutter, Alexander Dupont (Sontra), Bianca Costa und Lara Thiele (Witzenhausen) sind im Werra-Meißner als Sport-Coach im Einsatz.
 
„Die Ergebnisse lassen sich sehen“, sagte Pliefke, der dem Boxclub Eschwege gute Arbeit in diesem Bereich attestierte. Diar Osman (22) kam vor fünf Jahren aus Syrien nach Deutschland und hat sich über die Kontakte im Boxclub schnell integriert. „Er hat sogar die Ausbildung zum Übungsleiter im Rahmen der interkulturellen Übungsleiterausbildung erfolgreich gemeistert“, freut sich sein Trainer Robert Staar, der Osman als Co-Trainer in sein Training eingebunden hat. Mit Mayar Pardes (27, Eschwege) aus Afghanistan hat Staar einen weiteren Übungsleiter im Team. Pardes ist stolz das Training mit seinem Fachwissen bereichern zu können: „Wir können das Erlernte weitergeben, das freut mich sehr.“ 24 Menschen mit Migrationshintergrund trainierten zuletzt im Eschweger Boxclub, der zugleich Integrationsstützpunkt ist. „Ich mixe immer, Deutsche und Migranten trainieren zusammen. Dabei lernen meine Sportler die Sprache automatisch und haben viel Spaß dabei. Nun probiere ich den Kontakt stets telefonisch aufrecht zu erhalten. Ich muss meine Athleten auf Trab halten und stelle ihnen immer neue Aufgaben“, sagte der 71-jährige Staar, der die Zusammenarbeit mit dem Eschweger Sport-Coach Stefan Gerhard lobte.
 
Auch der TSV Wichmannshausen hat im Frühjahr 2020 über Volleyball und Kinderturnen Flüchtlinge in das Vereinsleben integriert. „Der Verein wurde durch die Förderungen unterstützt und motiviert“, sagte der aus Sontra kommende Sportcoach Gerhard Mutter. Der langjährige Vorsitzende des Sontraer Kegelvereins betonte, dass die Vereine die Mittel nutzten, um Sportbekleidung für Flüchtlinge zu kaufen und um Betreuungsstunden abzurechnen. Trotzdem seien es laut Mutter - trotz sinkender Flüchtlingszahl - noch zu wenige Vereine, die die Hilfe in Anspruch nehmen. „Wir stehen zur Verfügung, um mit den Vereinen über die Möglichkeiten von Förderungen zu sprechen und würden uns freuen, wenn die Vereine sich mit diesem Programm beschäftigen“, sagte Mutter, der die Arbeit mit den Flüchtlingen in der aktuellen Situation als schwierig einstuft. Der Kontakt sei nahezu abgebrochen. „Von März bis Juni war im letzten Jahr nur wenig möglich. Und alles es wieder losging war das Angebot beschränkt“, so der 71-jährige, der anmerkt, dass die Betreuung aufgrund des Corona-Lockdown nun wieder ruht. „Wir hoffen bald wieder aktiver auf die Flüchtlinge zugehen zu können, um wichtige Basisarbeit leisten zu können, von denen die Flüchtlinge und Vereine gleichermaßen profitieren“, so Mutter, der in vielen Fällen von Win-Win-Situationen spricht.
 

Sportcoaches sind wichtig für die Vernetzung
Eschwege - „Sport und Flüchtlinge“ ist ein Programm des Hessischen Ministeriums des Innern und für Sport. Es unterstützt in Zusammenarbeit mit der Sportjugend Hessen im Landessportbund Hessen Städte und Gemeinden in ihrem Engagement, Sport- und Bewegungsangebote für Flüchtlinge zu initiieren. Städte und Gemeinden können ihre Förderanträge beim Hessischen Ministerium des Innern und für Sport einreichen. Sportvereine wiederum können über die Sportcoaches bei ihrer Stadt oder Gemeinde eine Förderung beantragen, wenn sich diese am Programm beteiligt. Es hat sich gezeigt, dass die Vernetzung ehrenamtliche durch Sport-Coaches vor Ort für den Erfolg der Arbeit sehr wichtig ist. Sie stellen den Kontakt zwischen den Flüchtlingen, der Asylbetreuung und den Sportvereinen vor Ort her und begleiten die Flüchtlinge in der ersten Zeit zu den Sportangeboten. Der Einsatz von Sport-Coaches in der jeweiligen Stadt oder Gemeinde ist deshalb Voraussetzung für die Förderung durch das Programm. Nach den Programmbedingungen können Gelder abgerufen werden, wenn diese Aufwendungen in direktem Bezug zu Sport für und mit Flüchtlingen stehen. Das sind zum Beispiel: Aufwandsentschädigung oder Personalkosten für Personen, die Sportangebote anleiten, Kinderbetreuung bei Sportkursen, Offene Sportgruppen z.B. „Mitternachtssport“, Qualifikationsmaßnahmen zur Förderung des freiwilligen Engagements von Flüchtlingen im Sportverein, Sportmaterial für Sportangebote, Transportkosten zwischen Trainingsstätte und Flüchtlingsunterkunft, Kosten für Sportfeste z.B. interkulturelle Sportfeste, Kosten für Turniere/Wettkämpfe als Ausrichter oder bei Teilnahme auswärts (Fahrtkosten) und Kosten für Ausflüge mit Sport- und Bewegungsbezug (z.B. Klettergarten).
 
Text und Bild: Marvin Heinz.
 
 
 
 
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