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veröffentlicht am 31.07.2020

„Wir können das Erlernte weitergeben“

„Wir können das Erlernte weitergeben“
Eschwege – Schon bevor das Training so richtig Fahrt aufnimmt, wird Robert Staar deutlich. Der Vorsitzende und Trainer des Boxclubs Eschwege sagt zu seinen Schützlingen vor dem Betreten des Trainingsgebäudes in der Eschweger Schillerstraße laut und deutlich: „Wir müssen die Masken aufsetzen, haltet Abstand und denkt an die Regeln.“ Seine acht Boxer, denn mehr dürfen es laut den Bestimmungen aktuell nicht sein, halten sich an die Vorgaben. Desinfektionsmittel und Küchenrollen sind griffbereit, um den Medizinball sowie den Boden nach schweißtreibenden Übungen zu säubern. Die Boxer, die sonst stets mit einem Partner trainieren und dabei Körperkontakt haben, müssen nun improvisieren und neue Wege gehen. Die intensiven Duelle im Sparring sind Tabu. Dafür ist der Sandsack in das tägliche Training zurückgekehrt, um doch irgendwie an Kondition, Kraft und Koordination zu feilen. Unzählige Male schlagen die Boxer an das statische Ziel, was durch eine Seilbefestigung an der Decke dynamisch zurückschlägt. 
 
Diar Osman verfolgt das Training sehr genau. Der 21-jährige Syrer kam vor fünf Jahren nach Deutschland und hat sich über die Kontakte im Boxclub schnell integriert. „Nun hat er sogar die Ausbildung zum Übungsleiter im Rahmen der interkulturellen Übungsleiterausbildung erfolgreich gemeistert“, freut sich Staar, der Osman als Co-Trainer in sein Training eingebunden hat. Mit Mayar Pardes (27, Eschwege) aus Afghanistan hat Staar einen weiteren frisch ausgebildeten Übungsleiter im Team. Pardes ist stolz das Training mit seinem Fachwissen bereichern zu können: „Wir uns können das Erlernte weitergeben, das freut mich sehr.“
 
Für Staar war es immer wichtige Menschen mit Migrationshintergrund zu unterstützen: „Meine Mutter kam aus dem Sudetenland. Vor 75 Jahren wurden die Menschen dort bespuckt, getreten und vertrieben. Deswegen ist es für mich ganz wichtig, dass es bei uns jetzt anders ist. Menschen müssen sich wohlfühlen, wenn sie hierherkommen. Alle Nationalitäten können zu meinem Training kommen, um miteinander zu trainieren.“ Für den 70-jährigen geht das Training weit über das übliche Maß hinaus: „Wir trainieren, leben und lernen gemeinsam. Bei einer Fahrt nach Berlin zu einem Boxkampf haben wir gemeinsam das Musical My Fair Lady besucht. Meine Schützlinge verstanden die Sprüche auf spielerische Art und Weise und lernten, dass Lernen Spaß macht. Als ein Germanistik-Student bei uns trainierte, kümmert er sich um die Boxer, die der deutschen Sprache noch nicht vollends mächtig waren. Bei uns zählt das Wir, es gibt kein Gegeneinander.“
 
Am Ende des Trainings werden die Boxer von Osman und Pardes nochmal angespornt. „Motivation ist wichtig, niemand soll die Lust am Boxen verlieren“, betonte Osman, und sagt unmissverständlich: „unser Professor Robert hat uns dies immer so vorgemacht.“
 
 
 
Zur Person Robert Staar (70) 
Wurde in Bebra geboren, wuchs in Cornberg auf, ehe er im Jahr 1956 nach Eschwege zog. In der Freizeit des ausgebildeten Berufskraftfahrer und Speditionskaufmann führt kein Weg am Boxsport vorbei. Mit neun Jahren hatte Staar zum ersten Mal die Boxenhandschuhe an, weil sein Bruder Walter, in als Profiboxer dazu motivierte. Im Alter von 26 Jahren machte Staar seinen Trainenschein. 1991 gründete er den Boxclub Eschwege. Staar ist Vertretungslehrer an der Anne-Frank-Schule. Seit 49 Jahren verheiratet, zwei erwachsene Kinder.
 
Text und Bild: Marvin Heinz.
 
Bildbeschriftung: Robert Staar ist froh sein Wissen an wissbegierige Sportler weitergeben zu können. Seine Ratschläge werden dankend angenommen.
 
 
 
 
 
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