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veröffentlicht am 16.05.2019

Von der Pike auf gelernt

Integration durch Sport

Von der Pike auf gelernt
Von der Pike auf gelernt
Albungen. Sabrine Chinnawi nimmt die Grundstellung ein und verlagert ihr Gewicht auf die Fußballen. Nach dem sie den Schläger festumgriffen hat, fixiert sie mit beiden Augen den Ball, um die Flugbahn des Balles richtig einzuschätzen. Der Tischtennisball wird gespielt. Die 22-jährige holt aus und trifft den 2,7 Gramm schweren Ball. Immer wieder. Sie macht vieles richtig. Mit kleinen Sidesteps bewegt sich die Palästinenserin aus dem Libanon am Tisch, um reaktionsschnell agieren zu können. Dabei verändert sie immer wieder die Schlägerblattstellung. Je nach Geschwindigkeit, Rotation und Platzierung des ankommenden Balles variiert sie ihre Rückschläge, die sie platziert mal in gerader oder in diagonaler Richtung spielt. Sie ist auch in der Lage die Bälle ganz bewusst mit Vorwärts- oder, Rückwärtsrotation zu zuspielen. „Seitdem sie zu uns gekommen ist, hat sie viel gelernt“, erzählte Thomas Freitag, ihr Tischtennis-Übungsleiter beim TTC Albungen. Chinnawi hat die Grundtechniken im Kindertraining von der Pike auf gelernt und kann diese nun auch weitergeben. „Im Libanon habe ich Ping-Pong gespielt, in Albungen Tischtennis“, betonte Chinnawi, die im Jugendtraining als Spielpartnerin agiert, die stets eingreift, wenn sie kleine Fehler in der Ausführung erkennt. „Sie ist eine tolle Unterstützung und Bereicherung für unseren Verein“, sagt Freitag, der die Eigenständig- und Zuverlässigkeit von Chinnawi hervorhob. Mit den Kindern zu spielen macht ihr augenscheinlich Spaß, und hat einen positiven Nebeneffekt. „Durch die Gespräche im Training habe ich viel besser Deutsch gelernt“, weiß Chinnawi, die den eigenen Aussagen nach für den Sport auch mal gern alles Stehen und Liegen lässt. Der Umzug aus einer Gemeinschaftsunterkunft in Eschwege ins 28 Kilometer entfernte Witzenhausen sorgte für Unverständnis beim TTC Albungen und Sabrine Chinnawi: „Das war nicht so schön für mich. Aber ans Aufhören habe ich nie gedacht.“ Um ins Training nach Albungen zu kommen, muss nun „ein hoher logistischer Aufwand“ durch ehrenamtliche Helfer betrieben werden. Aber ihre Vereinskameraden helfen ihr und Chinnawi, die sich ins toll Vereinsleben integriert hat, ist sehr dankbar: „Sie unterstützen mich wie eine Familie.“ Im TTC hofft man, dass der vom Stab Migration zugesagte Umzug in die Nähe von Albungen in naher Zukunft realisiert wird. Um weiter den Nachwuchs in Albungen zu fördern hat sich Chinnawi zu der interkulturellen Übungsleiter-Ausbildung angemeldet, die sie als „große Chance“ ansieht sich weiter zu entwickeln, sportlich und als Persönlichkeit.
 
 
Bildbeschriftung: Sabrine Chinnawi freut sich dem Nachwuchs den Tischtennis-Sport näher zu bringen.
 
Foto und Text von Marvin Heinz.
 
 
Anmeldungen noch möglich
Eschwege. Nur ein geringer Teil der Menschen mit Migrationshintergrund nutzt die Angebote von Sportvereinen für ihre Freizeitgestaltung. Insbesondere Mädchen und Frauen mit Zuwanderungsgeschichte blieben bislang diese Möglichkeiten und die Chancen der aktiven Teilhabe im Sport verborgen. Um die soziale Integration von Migrant/innen im organisierten Sport zu stärken und ihre Teilhabe am Vereinsleben zu fördern, werden im Rahmen des Programms „Integration durch Sport“ vom Landessportbund Hessen in Zusammenarbeit mit engagierten Sportkreisen und weiteren Partnern Übungsleiterausbildungen im Breitensport für Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte dezentral angeboten. Es ist ein maßgeschneidertes Angebot zum Erwerb der anerkannten C-Lizenz des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) für Übungsleiter/innen im Breitensport. Gefördert werden die Lehrgänge vom Hessischen Ministerium des Innern und für Sport. Teilnehmen können engagierte, sportinteressierte Personen ab 17 Jahre, die bereits eine Gruppe im Sportverein leiten, aktiv an der Leitung einer Vereinsgruppe beteiligt sind oder bereit sind, eine zu übernehmen. Die Teilnahme muss durch den/die Jugendwart/in bzw. den Vereinsvorstand befürwortet werden. Die Ausbildung umfasst nach zwei Vorbereitungskursen 120 Lerneinheiten (10 Wochenenden) plus einen Erste-Hilfe-Kurs. Interkulturelle Aspekten sowie entsprechend dem Lehrplan der Übungsleiter-C Breitensport sportbezogene, pädagogische und organisatorische Themen in Theorie und Praxis werden behandelt. Der Kurs beginnt nach den Sommerferien in der Turnhalle der Eschweger Struthschule. Eine Kinderbetreuung für Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren wird am Rande der Ausbildung angeboten. Die Kosten für die Ausbildung liegen bei 50,00 €, entstehende Fahrtkosten können eventuell die Vereine übernehmen, über die auch ein Pate/eine Patin gestellt wird. Anmeldungen sind beim Sportkreis Werra-Meißner noch möglich bei: Edmund Pliefke (05602/913452, integration@sk-wm.de), Magdalena Weidner (05542/5029337, bildung@sk-wm.de) oder Tina Schott (05652/918303, info@sk-wm.de).
 
 
 
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